In dieser Anleitung lernst du die Grundlagen von Crackle kennen. Mit nur vier oder acht Schäften lassen sich damit überraschend vielfältige Muster weben.
Zuerst geht es darum, wie Crackle aufgebaut ist und woraus es entsteht. Grundlage ist der dreischäftige Spitzköper, links im Bild.
Auf vier Schäften gibt es vier solche Spitzköper, je nachdem, welche drei aufeinanderfolgenden Schäfte man nimmt: 1-2-3, 2-3-4, 3-4-1 oder 4-1-2. Sie sind gegeneinander versetzt.
Beim Crackle werden diese Spitzköper miteinander kombiniert, und daraus entsteht die ganze Vielfalt.
Hier siehst du, wie aus der Kombination der möglichen Spitzköper auf vier Schäften nach und nach immer vielfältigere Crackle-Muster entstehen.
In (I) stehen die vier dreischäftigen Spitzköper als Spalten nebeneinander. Der Einzug ist eine einfache Crackle-Folge. In (II) ist jede Spalte auf einen einzigen Rapport ihres Spitzköpers verkürzt. Jetzt ist der Einzug schon eine abwechslungsreichere Crackle-Folge, und im Bindungsbild wird aus dem Spitzköper ein ansteigendes Zickzackmuster.
In (III) wird statt der geraden Trittfolge eine Spitzköper-Trittfolge getreten. Crackle-Einzug und Spitzköper-Trittfolge überlagern sich, und im Bindungsbild entstehen neue Muster. So kommen die typischen Kreuzchen („+“) und Punkte („·“) des Crackle zustande.
In (IV) wird die Crackle-Folge des Einzugs auch als Trittfolge verwendet („Trittfolge wie Einzug“, engl. tromp as writ). Jetzt werden die Crackle-Muster erst richtig komplex.
Neugierig geworden? Dann geht es jetzt an die Einzelheiten.
Crackle ist eine Blockbindung: Das Muster wird aus einfachen Bausteinen zusammengesetzt, eben den dreischäftigen Spitzköpern.
Die Zahl der Blöcke entspricht der Zahl der Schäfte, die du am Ende brauchst. Auf einem vierschäftigen Webstuhl stehen dir bis zu vier Blöcke zur Verfügung: A (1-2-3-2-1), B (2-3-4-3-2), C (3-4-1-4-3) und D (4-1-2-1-4).
Hinweis: Meist wird Crackle mit Blöcken aus vier Fäden gelehrt (z. B. 1-2-3-2, 2-3-4-3 usw.), nicht mit fünf. Die Darstellung mit vier Fäden finde ich allerdings schwerer verständlich. Wer sich näher damit befassen möchte, findet sie in Griswolds Aufsätzen zu Crackle.
Um Crackle mit Blöcken zu entwerfen, schreibt man Blockfolgen in eine Profilpatrone. Links im Bild steht der Einzug einer Profilpatrone mit den Blöcken A-B-C-B. Jeder „Schaft“ der Profilpatrone steht dabei für einen anderen Block.
Den Einzug zeichne ich, wie üblich, von rechts nach links.
Als Nächstes brauchst du für jeden Block der Profilpatrone seine ausgeschriebene Folge, rechts im Bild.
Danach reihst du die ausgeschriebenen Blöcke aneinander und hast die fertige Folge.
Noch einmal zusammengefasst: Ausgangspunkt war die Profilfolge A-B-C-B. Ausgeschrieben ergeben die Blöcke 12321-23432-34143-23432, aneinandergereiht die fertige Folge 12321234323414323432. Genau so werden beim Crackle die Blöcke umgesetzt.
Hier noch drei Profilfolgen (links), deren Blöcke jeweils in Crackle-Folgen umgesetzt sind (rechts).
Bei zwei gleichen Blöcken hintereinander wie A-A fällt die doppelte Zahl weg: Aus 1-2-3-2-1-1-2-3-2-1 wird 1-2-3-2-1-2-3-2-1. Ebenso wird bei C-C aus 3-4-1-4-3-3-4-1-4-3 die Folge 3-4-1-4-3-4-1-4-3.
Außerdem müssen Profilfolgen beim Crackle „schrittweise“ verlaufen: Auf A darf in der Profilpatrone nur A, B oder D folgen. A-A-B-B-A-A ist demnach gültig, A-C-A nicht. Ebenso ist A-B-C-D-A gültig, A-B-D-A nicht. Auf vier Schäften kann man nicht zwischen A und C oder zwischen B und D springen.
Jetzt zur ganzen Profilpatrone. Setzt man die Blöcke in Einzug und Trittfolge um, erhält man eine vollständige Crackle-Patrone.
Wie du siehst, folgt das kleinteilige Bindungsbild der umgesetzten Patrone im Großen der Form, die das Bindungsbild der Profilpatrone vorgibt. So kannst du die Gesamtwirkung in der Profilpatrone planen und dir nach dem Umsetzen das Ergebnis ansehen.
Hier habe ich einen 3/1-Köper angebunden, das ergibt ein kettbetontes Gewebe. Die Anbindung der Profilpatrone wird unverändert in die fertige Patrone übernommen.
Hier habe ich einen 2/2-Köper angebunden. Das Gewebe ist ausgeglichen, und das Crackle-Muster kommt besonders schön zur Geltung.
Traditionell wird beim Crackle ein Köper angebunden, doch das ist nur ein Ausgangspunkt. Probiere verschiedene Anbindungen aus und sieh dir an, wie sie wirken. Ein Webprogramm wie Bower hilft dabei sehr: Es berechnet das Bindungsbild automatisch, sodass du alles direkt am Bildschirm durchspielen kannst.
Auch mit der Trittfolge kannst du beim Crackle experimentieren. Links habe ich eine übliche Trittfolge wie bei Sommer und Winter verwendet. Die Trittblöcke sind hier A=1-3-2-3, B=1-4-2-4, C=1-5-2-5 und D=1-6-2-6.
Rechts ist es eine Trittfolge mit verlängerter Spitze: 1-1-2-2-3-3-4-4-3-3-2-2. Jede Trittfolge überlagert sich anders mit dem Crackle-Einzug und ergibt andere Muster.
Die stärksten und vielfältigsten Effekte entstehen aber, wenn zum Crackle-Einzug auch eine Crackle-Trittfolge kommt.
Beim Crackle lassen sich die Blöcke auch auf eine zweite, kürzere Art aneinanderreihen. Zwei Blöcke A (1-2-3-2-1) und B (2-3-4-3-2) wurden bisher zu 1-2-3-2-1-2-3-4-3-2 aneinandergereiht.
Man kann sie aber auch „verschmelzen“, indem man das mittlere 2-1-2 auf eine einzige 2 verkürzt: 1-2-3-2-3-4-3-2. Eine Crackle-Folge ist gültig, solange sie bei jedem Faden um genau einen Schaft nach oben oder unten geht.
Etwas genauer: Nimm die erste Zahl des zweiten Blocks (bei B die 2). Suche im ersten Block die letzte Stelle mit dieser Zahl (bei A 1-2-3-2-1). Kürze den ersten Block ab dieser Stelle (übrig bleibt 1-2-3) und hänge den zweiten Block an (1-2-3 und 2-3-4-3-2).
Weiter oben hieß es, dass Profilfolgen auf vier Schäften nicht zwischen A und C oder zwischen B und D springen dürfen. Mit Übergangsfäden (engl. incidentals) lassen sich aber auch „ungültige“ Folgen wie A-C-B-D gültig umsetzen.
In der oberen Bildhälfte siehst du: Setzt man die Blöcke wie bisher um, hat die Crackle-Folge Lücken. Das ist beim Crackle nicht erlaubt.
Für jeden übersprungenen Block wird die erste Zahl dieses Blocks eingefügt; das ist ein Übergangsfaden. Bei der Profilfolge A-C hat man normalerweise 1-2-3-2-1 und 3-4-1-4-3. Da Block B übersprungen wird, kommt seine erste Zahl (2) zwischen die beiden ausgeschriebenen Blöcke. Das ergibt 1-2-3-2-1-2-3-4-1-4-3, und die Crackle-Folge ist wieder durchgehend.
Hier noch drei Profilpatronen mit Lücken (links), deren Blöcke jeweils mit Übergangsfäden zu vollständigen Crackle-Folgen umgesetzt sind (rechts).
Dazu kommt ein achtschäftiges Beispiel, das die Übergangsfäden nutzt, um Spitzköper über mehr als drei Schäfte zu bilden. Längere Spitzköper ergeben größere Muster im Bindungsbild.
Zum Schluss noch einige Beispielpatronen, die alles aus dieser Anleitung verbinden und zeigen, was mit Crackle möglich ist.
Links eine Crackle-Patrone auf acht Schäften. Achte auf die regelmäßigen „Höhen“ und „Tiefen“ in Einzug und Trittfolge: Sie wechseln sich ab, heben sich gegenseitig auf und ergeben so ein Schachbrettmuster.
Rechts eine Crackle-Patrone auf sechs Schäften. Mit Farbverläufen kannst du hervorheben, wie die Crackle-Blöcke gegeneinander versetzt sind.
Hier eine aufwendige Profilpatrone, aus der sich schöne Crackle-Gewebe weben lassen. Zwei unterschiedliche fortschreitende Köper in Einzug und Trittfolge erzeugen schattierte Zickzackbänder, die im Bindungsbild nach unten laufen.
Setzt man die Blöcke als Crackle um, werden die Schattierungen mit den typischen Crackle-Kreuzchen und -Punkten wiedergegeben. Da gibt es viel auszuprobieren!
Schließlich kann eine Crackle-Patrone selbst als Profilpatrone dienen, deren Blöcke dann in eine andere Bindung umgesetzt werden, etwa in mehrschäftiges Overshot wie im Bild. Die Schaftzahl steigt dabei oft stark an, dafür entstehen sehr schöne Muster.
Damit kennst du die Grundlagen von Crackle. Viel Spaß beim Ausprobieren in Bower!
